Laudatio für Dipl.-Psych., Dipl.-Wi.-Ing. Bernhard Trenkle

Laudatio für Bernhard Trenkle
Zur Verleihung des Preises der Milton Erickson Gesellschaft für klinische Hypnose
Am 22.03.2012 In Bad Kissingen

Es ist eine besondere Freude und Ehre für mich, Bernhard, hier jetzt einige Worte zu Dir zu sagen. Gleichzeitig erlebe ich es als sehr schwierig, denn eigentlich bräuchte ich sicher 2 Stunden, um all dem gerecht zu werden, was Du in den letzten Jahrzehnten entwickelt, gestaltet und insbesondere auch für die MEG eingebracht hast. Da ich diese Zeit hier nicht habe, versuche ich, mich auf das Wesentlichste zu beschränken.

Ich finde, diesen Preis hast Du sehr verdient, aus vielen Gründen. Und ich sage das auch erstmal einerseits einfach so als Kollege, ich sag es aber natürlich auch als Freund. Wir kennen uns ja quasi schon Ewigkeiten und sind schon einen langen Weg miteinander gegangen, da kann ich ja auch einiges dann berichten. Ich werde sicher nicht jede Geschichte berichten, das wäre zu umfangreich gell (lacht) über diese Art von Entwicklung, die so verdient macht, dass Du diesen Preis bekommst.

Bevor ich dann in der DU-Form zu Dir rede, also nicht über Dich, sondern zu Dir hin und auch zum Auditorium, sage ich erst einmal etwas zu Bernhard Trenkle in der dritten Person.

Bernhard Trenkle ist jetzt 62 Jahre alt, was man nicht auf den ersten Blick sieht. In diesen 62 Jahren hat er schon so enorm viel gemacht, wie manchen Menschen nicht in 90 Jahren.

Bernhard Trenkle ist aufgewachsen in einem alemannischen Kontext, und das aus meiner Sicht viele Implikationen dafür, wie es dann weiterging in seinem Leben und noch immer weitergeht. Was vielleicht viele nicht wissen, ist, dass Bernhard Trenkle auch schon in seiner Jugend sehr rege war, in politischer Arbeit, in der jungen Union, in seinem Heimatort in der Nähe von Freiburg. Schon sehr früh hat er da offensichtlich sehr viele Netzwerk-Kompetenzen entwickelt, und das in einer unnachahmlichen Art, sodass praktisch immer der Eindruck entsteht, wenn man mit ihm redet, als ob man sich schon immer kenne, wie im Dorf halt - wo sich die Leute schon immer kennen und dadurch eine automatische Grundvertrautheit zustande kommt, die jemand sofort irgendwie öffnet und dann auch Kooperationsbereitschaft zwischen Menschen plötzlich möglich macht, von denen man es oft überhaupt nicht gedacht hätte.

Und sehr oft habe ich auch schon erlebt, dass, wenn ich z.B. mit jemandem verhandeln wollte, und sich zeigte, dass dies eher schwierig war, wenn dann aber Bernhard mit den gleichen Menschen verhandelte, dann ging es fast immer. Mein Eindruck war dabei oft, dass sich da die beeindruckende indirekte Tranceinduktionsfähigkeit von Bernhard entfaltete, die den Gesprächspartnern das Erleben ermöglicht, ach, wir kennen uns doch schon ewig, wir sind aus dem gleichen Dorf, und dann machen wir halt was miteinander, ungefähr so, in dieser Form. Das hat sich bis heute erhalten, und meinem Eindruck nach immer weiter bis zu einer fast nahezu perfekten Art entwickelt. Darum beneide ich Dich, mit großer Hochachtung dafür.

Diese Fähigkeiten haben auch sehr wichtige positive Auswirkungen gehabt, z.B. auch für die Entwicklung der MEG und vieler anderer Projekte, auch für die internationale Kooperation der diversen nationalen Gesellschaften.

Vergleicht man die biographischen Wege von uns beiden, gibt es übrigens auch einige verblüffende Ähnlichkeiten zwischen uns beiden.

Bernhard hat nach dem Abitur erstmal ein Studium als Wirtschaftsingenieur im Wirtschaftsingenieurswesen begonnen, in Karlsruhe, und hat das dann auch erfolgreich beendet, als Diplom Wirtschaftsingenieur. Schon dort hat er sich für Familientherapie interessiert, wie eben viele von uns, die wie er wohl auch schon im Alter von 3 oder 4 Jahren begonnen haben, als Therapeuten informelle Ausbildungen in der eigenen Familie zu genießen. Es ist ja keineswegs selbstverständlich, mit einer solch anderen Studienrichtung und erfolgreichem Abschuss darin, noch einmal eine so gravierende Umorientierung zu wagen. Denn in dieser Zeit damals (1974/75) war auch Bernhard gegenüber die Erwartung der meisten Menschen in seinem Umfeld, dass man dann selbstverständlich arbeiten gehen und Geld verdienen müsse. Trotzdem hat sich Bernhard sehr mutig dazu entschlossen, sich mehr dem Bereich der Psychologie zu widmen. Deshalb ist er dann auch nach Heidelberg gewechselt, wo wir uns dann 1975 schon bei Helm Stierlin zusammen in der Vorlesung und in vielen Arbeitsgruppen begegnet sind. Seitdem sind wir sehr eng befreundet.

Seit 1975 schloss sich deswegen also ein Psychologiestudium an, immer schon sehr stark ausgerichtet eben auch an familientherapeutischem kontextbezogenen Aspekten und sehr stark immer schon von vornherein orientiert daran, dass Pathologiekonzepte offensichtlich nicht das sein können, mit dem man Leuten unterschiedlichster Herkunft sehr gut helfen kann, sodass schon sehr früh auch bei Bernhard ein sehr starker kompetenzorientierter Aspekt leitend wurde.

Bernhard Trenkle übrigens war derjenige, ich bin sicher, dass ging mehr von Bernhard aus, der mich 1976 darauf aufmerksam machte, dass dass da jemand namens Jeffrey Zeig, praktisch der direkte "Ziehsohn“ von Milton Erickson nach Deutschland kam. Von für uns damals so merkwürdigen Leuten wie z.B. Milton Erickson hatten wir schon von Helm Stierlin in dessen Vorlesung gemeinsam gehört und uns immer gewundert über diese merkwürdigen Praktiken dieses dabei aber auch offenbar sehr berühmten Menschen, und noch mehr hatten wir (ziemlich ungläubig) registriert, dass dessen Interventionen offensichtlich sehr oft ausgesprochen effektiv waren. So sind wir gemeinsam dann zu Peter Nemetschek gefahren in sein Bauernhaus in Bayern und haben zum ersten Mal Jeff Zeig dort kennengelernt. Von dort aus hat sich auch sehr schnell eine Freundschaft zwischen Bernhard Trenkle, mir und Jeffrey Zeig, dem Gründer und Direktor der Erickson Foundation, entwickelt. Insbesondere zwischen Bernhard und Jeff  hat sich diese Freundschaft im Laufe der Zeit sehr intensiv weiter entwickelt und hält bis heute an. Dies hatte und hat auch wieder sehr viele, sehr wichtige und erfolgreiche Wirkungen, auch für die Bewegung der Hypnotherapie, gerade auch im deutschsprachigen Raum. 

Nach dem Studium, Anfang der 80er Jahre hat Bernhard dann in verschiedenen praktischen Feldern gearbeitet und hat sich da sehr differenzierte Fähigkeiten mit umfassenden praktischen Erfahrungen erworben, u. a. bspw. im psychosomatischen Bereich. In seiner Tätigkeit in der logopädischen Abteilung der Universität Heidelberg hat er dann viele, sehr wirksame differenzierte Stotterer-Therapie-Strategien entwickelt, die bis heute vielen Menschen nutzen. Gerade seine Arbeit im Bereich der Stotterer-Therapie war zum damaligen Zeitpunkt ziemlich wenig im Fokus der Aufmerksamkeit in der Therapie-Szene, Bernhard´s Beiträge trugen maßgeblich dazu bei, dass sich das positiv änderte. Man kann schon sagen, dass er da wichtige Pionierarbeit geleistet hat, aufbauend auf den Konzepten von Charles van Riper und Anderen. Mit seiner großen Offenheit für neue Lernfelder hat er z.B. sicher dafür gesorgt, dass die van Riper´schen Modelle überhaupt wieder einem größeren Publikum bei uns zugänglich gemacht wurden.

Nachdem wir bei Jeffrey Zeig die Arbeit von Milton Erickson kennengelernt hatten, ergriff ich 1979 die Chance, direkt zu Milton Erickson zu fahren und vom ihm persönlich zu lernen. Bernhard wollte 1980 ebenfalls zu ihm gehen, leider starb aber Milton Erickson im Frühjahr 1980, so dass ihm das leider nicht mehr vergönnt war. Von dieser Zeit an aber begannen wir beide sehr aktiv und immer als sehr kooperatives Team, praktisch alle Schüler von Milton Erickson, die wir dazu bewegen konnten, nach Heidelberg einzuladen und Workshops mit ihnen zu organisieren (z.B. Jeffrey Zeig, Stephen und Carol Lankton, Paul Carter und Stephen Gilligan, aber auch David Cheek und viele andere).So versuchten wir, von unserem Standort Heidelberg aus, einen Beitrag dazu zu leisten, den hypnotherapeutischen Zugang im deutschsprachigen Raum mehr zu verbreiten.

Ab 1983 gab es dann immer mehr Austausch insbesondere zwischen der Münchner Gruppe und uns. Burkhard Peter, Wilhelm Gerl und Alida Jost-Peter hatten ja schon vor uns direkten Kontakt mit Milton Erickson und nach einem Besuch bei ihm die Milton-Erickson-Gesellschaft gegründet. Sie waren eindeutig die wichtigsten Initiatoren der Erickson´schen Bewegung in Deutschland. Allerdings gab es witzigerweise ja zunächst in München sogar zwei Milton-Erickson-Gesellschaften, neben der schon erwähnten hatte nämlich auch Hans-Ulrich Schachtner mit Anderen nach einem Besuch bei Milton eine solche Gesellschaft gegründet. Glücklicherweise war dies nur eine vorübergehende Episode, die mit dem konstruktiven Zusammenschluss all dieser Kräfte endete.

Seit 1984 war Bernhard Trenkle dann auch mit im Vorstand der Milton Erickson Gesellschaft. Auch hier im Vorstand war es von großem Vorteil, dass wir beide (ich als 2. Vorsitzender, er als Zuständiger für Öffentlichkeitsarbeit und andere Funktionen) zusätzlich zu der übrigens praktisch immer ausgesprochen konstruktiven Zusammenarbeit mit den Anderen im Vorstand von Heidelberg aus im Dienste der MEG zusammenwirken konnten.

Von Anfang an hat Bernhard da mit großem Erfolg die Öffentlichkeitsarbeit für die MEG vorwärts getrieben. Dies ist ja bis heute aus meiner Sicht eine besondere Fähigkeit von ihm, von der nicht nur die MEG an sich, sondern wir alle sehr profitiert haben. So rief er bspw. das MEGaPhon ins Leben. Der Begriff MEGaPhon, der ja ein schönes Wortspiel darstellt, ist auch von ihm ins Spiel gebracht worden. Über viele Jahre hat Bernhard selbst in mühseliger Zusatzarbeit immer das MEGaPhon redaktionell betreut, seinen Aufbau gestaltet, selbst unzählige wertvolle Beiträge in ihm geleistet. Er hat das MEGaPhon zu einer in unserem Berufsfeld weit über die Grenzen der Hypnotherapie-Szene hinaus sehr beliebten Organ gemacht, was in vieler Hinsicht der MEG enorm genutzt hat. Auch die ganze Witz-Sammlung, die sich daraus ergeben hat, die dann später noch viele Leute auch immer sehr ergötzlich nutzen konnten, ist durch ihn mit in das MEGaPhon gekommen und hat es zu einem sehr populären „Geheimtipp“ gemacht.

Das MEGaPhon ist ja bis heute ein wichtiges Instrument, aber in diesen Zeiten, so ist mein Eindruck, hat es sehr dazu beigetragen, dass die hypnotherapeutische Bewegung als sehr interessantes und kreatives Feld so richtig publik gemacht werden konnte. Es hat  viele Leute angezogen und interessiert, die sich sonst überhaupt nicht für diesen Bereich interessiert hätten.

Es war gerade diese Aufbereitung, fachlich fundiert und gleichzeitig kreativ und humorvoll, welche die Bewegung mehr und mehr gestärkt hat. Und jetzt wende ich mich direkt an Dich, lieber Bernhard: aus meiner Sicht gibt es niemanden im gesamten Feld im deutschsprachigen Raum, der im Bereich dieser Öffentlichkeitsarbeit nur annähernd so viele Verdienste hat wie Du. Ich glaube, man kann gar nicht genug wertschätzen, wie wichtig das ist, auch in der Breiten- und Längsschnittwirkung bis heute.

In der der Kürze der Zeit ist es gar nicht möglich, dass ich alles aufliste, was Du bereits geleistet hast, aber ich versuche es jetzt halt mal weiter.

Von 1996-2003 war Bernhard dann 1. Vorsitzender der M.E.G. Gerade damals erlebte ich das als eine ganz wichtige Umbruchzeit. Die Zeit bis dahin war in der MEG maßgeblich geprägt durch die so enorm verdienstvolle Arbeit von Burkhard Peter, der lange Zeit 1.Vorsitzender war, und danach ebenso durch Dirk Revenstorf, der auf Burkhard folgte. Als Bernhard die Funktion des 1.Vorsiztenden übernahm, war es alles andere als einfach, dieser Herausforderung gerecht zu werden, eine stabile, weitergehende Kultur innerhalb der MEG mit aufrecht zu erhalten und gleichzeitig viel Innovatives anzustoßen, die M.E.G. zu erweitern, neue, junge Nachwuchskräfte anzuregen und zu fördern usw. Ich weiß, wie viele Nächte und sonstige Zeiten Dich das gekostet hat, die Du völlig uneigennützig und nur auf Deine eigenen Kosten da eingebracht hast. Da wir ja immer in nahem Austausch waren, konnte ich in dieser Zeit sehr hautnah mitbekommen, wieviel Engagementda von Dir geleistet wurde.

Heute sieht die M.E.G. so erfolgreich, so stabil, so hervorragend aus, auch da sehe ich einen ganz wichtigen und sehr dankenswerten Beitrag von Dir dabei, nicht nur aus dieser Zeit.

Das sind ja aber nur einige der Verdienste, die man da nennen könnte, ich muss mich hier halt beschränken. Eines möchte ich aber in jedem Fall schon jetzt dazu sagen, und dass muss ich nachher auch nochmal betonen:

Wir kennen uns schon seit 1974 oder 1975, noch in der Zeit, in der Du noch nicht verheiratet, aber schon mit Gitte, Deiner Frau, zusammen warst. Wenn man überlegt, dass ihr offensichtlich gerade vor kurzem 35 jähriges Heiratsjubiläum hattet, finde ich sollte man das nicht unerwähnt lassen, weil ich persönlich glaube, dass Bernhard nicht annähernd soviel gemacht hätte, und es so gut gemacht hätte, wenn er nicht ständig immer wieder herausgefordert und gleichzeitig unterstützt gewesen wäre von Gitte, seiner Frau. Man sagt ja manchmal so lapidar daher: Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau, oder so ähnlich, aber in diesem Fall, dass kann ich persönlich bezeugen, stimmt DAS wortwörtlich; seit über 35 Jahren. Und insofern ist DIESE Ehrung heute aus meiner Sicht, wenn sie Dir gebührt, auch eine Ehrung, die Gitte gleich mitgebühren sollte, und um soi mehr finde ich es toll, dass Du auch hier dabei bist, liebe Gitte.

Es gibt so viele andere Aspekte, die man noch dazu jetzt aufführen sollte und das möchte wenigstens ansatzweise machen.

Im Jahre 1999 wurde Bernhard ausgezeichnet mit dem Life Achievement Award der  Milton Erickson Foundation in Phoenix, Arizona. Diese Mutter-Organisation der Erickson´schen Hypnotherapie, die von Jeffrey Zeig gegründet wurde und bis heute geleitet wird, vertritt seit Erickson's Tod die Erickson'schen Konzepte, unterstützt die ganze Bewegung der Erickson´schen Hypnotherapie weltweit engagiert und hilft bei ihrem Ausbau. Diesen Award bekommen nur wenige Experten in unserem Berufsfeld. Du, lieber Bernhard, hast ihn sehr zu Recht bekommen, seine Verleihung an Dich weist auch darauf hin, dass Du weit über den nationalen Rahmen hinaus, nicht nur viel getan hast für die Verbreitung der Hypnotherapie, sondern auch für den intensiven Austausch und die Vernetzung zwischen den verschiedenen Ländern und den verschiedenen Kulturen innerhalb der Hypnotherapie. Und wir alle profitieren ja davon, dass Du Dich auch weiterhin in dieser Weise intensiv engagierst.

Ein Ausdruck davon ist, dass Bernhard seit 2006 auch im Vorstand der ISH (International Society of Hypnosis ) wirkt. Für die ISH und damit ja auch wieder für uns alle organisiert er dieses Jahr in Bremen einen großen Kongress. Schon jetzt ist klar, dass es dafür außerordentlich viele Anmeldungen gibt. Als schöner Aspekt dabei sei erwähnt, dass die Organisation dabei von der nächsten Generation der Trenkle-Familie durchgeführt wird. Sein Sohn Andreas ist ja auch schon bekannt dafür, mit hoher Kompetenz und Präzision solche Großveranstaltungen optimal organisieren zu können.

Und nicht genug: Seit 1999 ist Bernhard auch im Board of Director's der Erickson'schen Foundation. Mitglied in diesem kleinen, ausgewählten Gremium, praktisch im engsten inneren Kreis um die Erickson-Familie herum, gilt international in unserem Berufsfeld als eine sehr große Ehre.

Es kann kein Zufall sein, dass Bernhard dort in diesen Board of Director's aufgenommen wurde. Wer Jeffrey Zeig kennt, der ja dort maßgeblich die Weichen stellt,  weiß, dass er ein sehr leistungsorientierter, sehr auf Perfektion ausgerichteter, sehr kritischer, streng prüfender Mensch ist. Gerade er hat sich nachdrücklich für Bernhard´s Mitgliedschaft dort eingesetzt, denn er weiß genau, was Bernhard zu bieten hat.

Jetzt möchte ich gern noch auf einige andere Qualitäten eingehen. Unsere systemische Gruppe um Helm Stierlin hat ja auch den Carl-Auer-Systeme Verlag in Heidelberg gegründet. Bernhard hat sich auch dort von Beginn an (und bis heute) aktiv eingebracht. Dass Auer-Verlag heute mit der führende, deutschsprachige Buchverlag für systemische Konzepte ist, freut uns natürlich sehr, hatten wir ihn ursprünglich ja auch gegründet, aber dass er auch für die Hypnotherapie Richtungsweisende Maßstäbe setzen konnte und kann, ist vor allem Bernhard's Verdienst. Er ist sozusagen der Türöffner, der Weichensteller, man könnte sogar sagen, auch der Schmetterlingsjäger für wunderbare neue Konzepte, auch von Autoren, die bisher kaum jemand kannte und die er dann immer wieder in geschickter Weise für den Auer-Verlag kanalisiert. Davon profitiert nicht nur der  Auer-Verlag, sondern auch das lesende Publikum, wir alle zusammen. Und ich weiß aus direkter eigener Anschauung, das dort schon viele Arbeiten veröffentlicht wurden (deutsche und internationale in deutscher Übersetzung), die sonst im deutschsprachigen Raum wahrscheinlich nicht veröffentlich worden wären und für uns alle viel Wertvolles verloren gegangen wäre. Für eine ausgesprochene Meisterleistung halte ich, dass Bernhard auch die gesammelten Werke von Milton Erickson in den Auer-Verlag gebracht hat und so dieses gewaltige Werk endlich auch auf Deutsch herausgegeben werden konnte. Dies war ein enormer Kraftakt.

Nun wieder Einiges zu „Bernhard Internationale“: Von Anfang an, schon in den achtziger Jahren, als kaum sonst jemand daran gedacht hat, hat sich Bernhard sehr engagiert eingesetzt für die Förderung hypnotherapeutischer Konzepte in Osteuropa, z.B. in Polen, Ungarn, der damaligen DDR und in anderen Staaten.

Ich erinnere mich an viele Diskussionen zwischen uns, als Bernhard schon in die DDR fuhr, während ich noch entschieden die Meinung vertrat, dass ich in dieses Unterdrückungssystem gar nicht gehen wolle, und Bernhard unverdrossen mit total verrußtem Auto (als Opfer der dortigen massiven Umweltverschmutzung) in Leipzig Hypnotherapie vermittelte. Ich halte das immer noch für eine enorme Pionierleistung, und er tat das praktisch unentgeltlich. Es ging ihm eben um etwas anderes als um das Geld. Es ging ihm um eine Vision, die ihn wohl schon immer getrieben hat aus meiner Sicht, nämlich darum, Menschen zu fördern, die selbst auch etwas in die Wege leiten wollen, die etwas bewegen wollen. Dafür hat er sich selbstlos eingesetzt, denn zu dieser Zeit war überhaupt nicht abzusehen, dass sich der Eiserne Vorhang irgendwann lichten wird, und dass sich dann vielleicht irgendwann sogar ein lohnender, im materiellen Sinn ergiebiger Austausch ergeben könnte. Die wichtigen Verbindungen, die wir dann mehr und mehr nach Ende des kalten Krieges mit der Öffnung zu den osteuropäischen Ländern bekommen haben, ist aus meiner Sicht ganz vorrangig über die Netzwerke zustande gekommen, die Bernhard aufgebaut hatte. Ich halte dies für einen ganz besonderen zusätzlichen Verdienst von Bernhard Trenkle, für den man ihm besonders danken sollte. Auch weiterhin haben wir in diesem Bereich noch viel auf-und auszubauen, erleichtert wird dies gerade auch durch seine wichtige Pionierarbeit.

Inzwischen hat sich dieses internationale Engagement ja noch weiter ausgedehnt. Das zeigt sich auch daran, dass Bernhard in viele Länder der Welt „rumjetted“ und so z.B. auch in China hypnotherapeutische Ausbildungsgruppen leitet und auch hier wieder Pionierarbeit für die Verbreitung der Hypnotherapie leistet.

Nun möchte ich wieder eine noch ganz andere Facette erwähnen, die mir auch wegen unserer gemeinsamen Geschichte bedeutsam erscheint: Bernhard und ich haben schon sehr früh als Studenten eine sehr großzügige und liebevolle Unterstützung durch Helm Stierlin erfahren. Helm Stierlin hat uns sehr gefördert, mich selbst sicher noch mehr, weil ich viele Jahre lang direkt bei ihm arbeiten konnte, wofür ich bis heute sehr dankbar bin. Aber auch Bernhard wurde sehr von ihm gefördert. Helm hat uns ein Modell vorgelebt, das überzeugend zeigt, dass man auch als sehr renommierte, international erfolgreiche und einflussreiche Autorität junge Menschen fördern kann, die sonst kaum solche Chancen hätten, anstatt sich in seinem Erfolg zu sonnen und diese jungen Leute dafür zu nutzen, den eigenen Erfolg und Glanz noch zu stärken.

Bernhard führt diesen Stil, der uns so geholfen hat, zusammen mit seiner Frau Gitte in einer sehr schönen auch berührenden Weise seit vielen Jahren in seinem Institut in Rottweil weiter. Wir haben bis 1986 zusammen ein Institut gehabt, in Heidelberg, dann wurde das erstmal für eine Zeit bis 1992 zum Milton Erickson Institut Heidelberg-Rottweil, weil Familie Trenkle dann nach Rottweil zog. Als beide Institute immer größer wurden und das organisatorisch immer komplexer wurde, haben wir dann die beiden Institute 1992 getrennt  und als zwei unabhängige Institute geführt, wobei wir ja weiter zusammen arbeiten. Ich weiß deshalb aus nächster Nähe, dass es kontinuierlich viele Praktikanten gab und gibt, die dort in der Praxis, im Institut bei Bernhard mitarbeiten konnten und aus denen heute zum Teil ausgezeichnete, profilierte Therapeuten und auch übrigens Seminaranbieter im Erickson'schen Bereich geworden sind. Die kraftvolle Förderung kommt dabei nicht nur Bernhard, sondern auch von seiner Frau Gitte. Denn eine besondere Spezialität in der Familie ist es, dass die Praktikanten immer mit in die Familie integriert werden zum Mittagessen und dort selbst schon engagiert ihre Beiträge leisten müssen, so dass es für die Praktikanten vielfältige, herausfordernde Betätigungsfelder gibt. Das führt offensichtlich in indirekt hypnotischer Art dazu, dass Leute sich danach mehr zutrauen, selbst als kompetente Therapeuten aufzutreten, und dann auch zeigen, dass sie das sind. Diese fördernde Haltung, dieser klare und unbestechliche Blick für Potenziale auch bei Menschen, die sonst von vielen abgewertet wurden, immer wieder das Augenmerk auf das Förderbare zu richten, ist eine besondere Fähigkeit, die sozusagen eine  Herzensqualität von Bernhard ausmacht. Ich finde sie einfach schön.

Jetzt komme ich noch zu einem Aspekt, der uns natürlich alle schon seit vielen Jahren immer viel ergötzliche Erfahrungen beschert hat, nämlich zu seiner unnachahmlichen Art Kongresse zu organisieren. Am Anfang, so Ende der siebziger bis Ende der achtziger Jahre haben wir das zusammen gemacht, dann immer mehr in einer Arbeitsteilung, wobei die Hauptarbeit Bernhard gemacht hat, oft im Hintergrund, so dass die ihm gebührende Anerkennung oft nicht genug zustande kam. Das fand ich nicht fair auf Dauer, es bereitete mir immer größeres Unbehagen. Auch Jeff Zeig ermutigte ihn sehr, selbst im Vordergrund der Bühne zu wirken, allmählich hat Bernhard das auch erfreulicherweise gemacht. Daraus sind in der Zwischenzeit viele, praktisch jedes Mal enorm erfolgreiche Kongresse entstanden, z.B. zur Förderung der Kinderhypnotherapie, der Ego-state-Konzepte, des mental-Coachings usw.

Zu Beginn glaubten z.B. nur wenige Kolleginnen und Kollegen, dass ein  Kongress für Kinderhypnotherapie große Resonanz finden könne. In der Zwischenzeit, wenn die Kinderhypnotherapie-Tagung in Heidelberg stattfindet, gibt es jedes Mal einen 'Riesen-Run', die Leute buchen schon blind, wenn Sie nur hören, dass der Termin da ist, sodass schon der Kongress als wirtschaftlicher und sonstiger Erfolg gesichert ist, bevor er überhaupt richtig ausgeschrieben ist.

Auch das zeigt, welche enormen Qualitäten in der Organisation von Kongressen Bernhard auszeichnen. Bernhard´s Kongresse werden immer eine Art  Gesamtkunstwerk. In ihm werden einerseits die wissenschaftlichen und praktischen Beiträge hervorragend zusammengeführt, zu sehr lernförderlichen Austauschforen; gleichzeitig schaffen Bernhard und sein Team jeweils ein sehr leben diges Begegnungsprogramm und enorm faszinierende Kulturprogramme, wie man das sonst in dieser Qualität von Kongressen nicht kennt. In gewisser Weise ist Bernhard eigentlich auch gar kein Kongress-Organisator, sondern man könnte ihn eher als einen Impressario bezeichnen. Vielleicht ist das ja seine eigentliche Bestimmung.

Besonders herausheben möchte ich noch die große, im Grunde nicht beschreibbare Meisterleistung, als Bernhard 1994 in Hamburg den Riesenkongress „The Evolution of Psychotherapy" mit ca. 6000 Teilnehmern zusammen mit Jeffrey Zeig organisiert hat. Die Hauptarbeit und ein großer Teil des Risikos bei dieser Mammutveranstaltung lag hier in Deutschland bei Bernhard. Die meisterhafte und umsichtige und dabei so mutige Art, wie er das erfolgreich gestaltet hat, kann man kaum genug würdigen. Ich vermute, dass niemand sonst das hier in Deutschland gewagt hätte, und ich weiß noch sehr genau, als wie riesig das Risiko allgemein eingeschätzt wurde, bevor er sich dennoch dafür entschieden hat, denn es war keineswegs klar war, ob das Ganze wirtschaftlich nicht vielleicht doch ein großes Desaster würde. Als es dann ein so überwältigender Erfolg wurde, von dem noch heute viele Menschen immer wieder mal reden, waren alle froh, denn aus meiner Sicht hat dieser Kongress mehr als jedes andere Ereignis vorher oder nachher in unserem Berufsfeld die Tür geöffnet für die Hypnotherapie für viele Menschen aus ganz anderen Psychotherapiefeldern und auch sonst. Bernhard´s mutige, visionäre Haltung war die Grundlage dafür. Und obwohl dieser Kongress ja nur eines von vielen Kongress-Highlights ist, die Bernhard Trenkle uns geschenkt hat, wollte ich es herausheben.

Wenn man bedenkt, dass darüber hinaus dieser Kerl trotzdem noch Zeit hatte immer wieder auch Bücher zu veröffentlichen, kann man sich fragen, ob seine Tage vielleicht doch mehr als 24 Stunden haben. Ich vermute ja (und weiß es teilweise ja auch), dass er dabei in bewährt utilisierender Weise all die vielen beruflichen Reisen nutzt, die ich schon erwähnt habe. Wer ihn kennt, weiß nur all zu gut, dass er auch im Zug oder Flugzeug keine Zeit ohne die Nutzung seines Computers verstreichen lässt- er ist quasi „Dauer-online“, außer dann, wenn er mal wieder irgendwo (und sei es in Extra-Reisen dafür z.B. nach Litauen oder andere Länder) ein hochklassiges Konzert besucht und seiner Musik-Leidenschaft frönt. Und was für Bücher hat er geschaffen. Sie kennen ja alle das Ha Ha Handbuch der Psychotherapie, das zweite Ha Ha Handbuch der Psychotherapie, das Aha Handbuch (aha schon zwei Ha Ha Handbücher, aber nein, auch noch ein drittes Aha Handbuch) und die Löwengeschichte, die ja schon quasi Legende ist. Es gibt praktisch kaum jemand in der Hypnotherapie Szene, was sich oft auch zeigt in den Diskussionsbeiträgen der „Hypno-Liste“ , dem email-Netzwerk der MEG, der oder die sich nicht ab und zu auf die Löwengeschichte beziehen. Er hat diese Geschichte in einer vielschichtigen, auch sehr berührenden und praktisch so wunderbar nutzbaren Art ausgebaut.

Zum Schluss möchte ich mich noch einmal direkt als Freund an Dich wenden mit der Erfahrung unserer schon 35 Jahre dauernden Freundschaft, lieber Bernhard: Ich möchte Dir sehr danken für Deine enorme Aufrichtigkeit und Loyalität und für Dein unglaublich unbestechliches Gespür für Gerechtigkeit und Fairness. Ich hab in all den Jahren noch nie irgendeinen Beitrag unfairer Art von Dir erlebt, weder mir noch anderen gegenüber.

Aber auch wenn Andere unfair behandelt wurden, hat sich bei Dir sofort ein ganz großes Gerechtigkeitsgefühl gezeigt und eine knallharte Kraft, die man Dir sonst in Deiner Sanftheit auf den ersten Blick nicht zutrauen würde. Diese Kraft blitzt immer wieder auf, wenn Unfairness und Ungerechtigkeiten irgendwo auftreten, und da hoffe ich, dass das mit zunehmendem Alter gleichermaßen diamantklar bleibt. Dessen bin ich aber auch sehr sicher.

Und auch hier möchte ich meinen Dank dafür gleich wieder ausweiten in Richtung Deiner Frau Gitte, denn man weiß nicht, ob sich das so klar entwickelt hätte ohne sie. Sie hat, das habe ich oft miterleben dürfen, auch in dieser Hinsicht immer wieder viel initiiert und dazu auch immer wieder gut dafür gesorgt, dass Du auf dem Boden geblieben bist, wenn  sozusagen der visionäre Heliumballon wieder irgendwo hin hätte abdriften können. Dann hat Gitte Dir in wohltuender Weise wieder ordentlich „die Luft rausgelassen“, damit Du wieder auf den Boden kommst. Und ich weiß wohl, dass das durchaus eine schwere Aufgabe ist, denn bei einem alemannischer Dickschädel ist es nicht so einfach, diese Erdenverbundenheit wieder gut herzustellen. Aber Gitte hat es bisher immer geschafft. Da kann ich nur sagen: “Hut ab“ , denn bei so einem starken Mann muss sie sicher eine außerordentlich starke Frau sein, wer würde das sonst so erfolgreich machen und dabei noch so kreativ wachsen.

Ich weiß, dass Du jetzt gerade dabei bist, wieder ein neues Buch fertigzustellen, dem wünsche ich sehr viel Erfolg. Und ebenso all Deinen vielen Aktivitäten, mit denen Du uns ja auch weiterhin beschenkst und mit denen Du erfreulicherweise auch hoffentlich noch viele, viele Jahre so enorm fördernd für die Verbreitung der Hypnotherapie bist und wofür Du diesen Preis heute wirklich unbedingt verdient hast. Und dann noch Eines: so toll bist Du jetzt auch wieder nicht, aber doch sehr toll! Ich danke Dir.

Gunther Schmidt

 
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