Zusammenfassung mehrer Bücher

Erickson, M.H., Rossi, E.L. & Rossi, S.L. (1976). Hypnose: Induktion, psychotherapeutische Anwendung, Beispiele. München: Pfeiffer

Weitzenhoffer, A. (1989). The practice of Hypnotism (2. Vol.). New York: Wiley.

Laurence, J.R & Perry, C. (1988). Hypnosis, will and memory A psycho-legal history. New York: Guilford.

Wolters, G. (Hrsg.) (1988). Franz Anton Mesmer und der Mesmerismus: Wissenschaft, Scharlatanerie, Poesie. Konstanz: Universitätsverlag.

Es war das erste jener Bücher, die Rossi zusammen mit Erickson herausbrachte, und es ist auch heute noch eines der interessantesten; deshalb möchte ich hier - 14 Jahre nach seinem Erscheinen - wieder auf dieses Buch (Erickson, Rossi & Rossi (1976). Hypnose) aufmerksam machen. Ausgangspunkt war Rossis Wunsch, bei Erickson Hypnose lernen zu wollen. Hierzu nahm er an einer Reihe hypnotherapeutischer Sitzungen teil, die hauptsächlich mit einer Dr. S., im weiteren Verlauf aber auch zusammen mit anderen anwesenden Personen durchgeführt wurden. Ausgangsmaterial ist also das wörtliche Transkript dieser hypnotherapeutischen Interaktionen. Rossi will jedoch nicht nur passiv beobachten sondern auch lernen und verstehen. Deshalb bringt er Erickson dazu, im Nachgang zu den jeweiligen Situngen jeden seiner Sätze zu kommentieren. Und genau dies ist das Reizvolle und Interessante an diesem Buch: Man erfährt Sequenz für Sequenz der hypnotischen Arbeit, was sich Erickson jeweils dabei gedacht hat, was er intendiert hat. Aber dies ist noch nicht alles. Was in dem späteren Buch Hypnotherapie an einzelnen kommunikativen Spezifika Ericksonscher Hypnotherapie zusammengefaßt dargestellt und nur anhand einiger weniger Beispielsätze demonstriert worden ist, wird hier in diesem Buch innerhalb der laufenden Behandlung deutlich und zusätzlich noch kommentiert. M.a.W., dieses vorliegende Buch Hypnose bildet gewissermaßen das vollständige Rohmaterial für die erste Hälfte des zweiten Buches Hypnotherapie. Und wenn dem einen oder anderen Leser diese kondensierte und eher abstrakte Darstellung in Hypnotherapie zu schwer nachvollziehbar war, dann kann und sollte er in diesem Buch Hypnose nachlesen; denn hier lassen sich die einzelnen Kommunikationsformen indirekter Induktion und Utilisation im spannenden Verlauf der hypnotischen Interaktion leichter nachvollziehen. 

Das Vorwort zu diesem Buch Hypnose wurde übrigens von Andre M. Weitzenhoffer geschrieben, jenem liebenswürdigen, eigensinnigen und präzisen "wandelnden Lexikon" für alles, was Hypnose betrifft. Weitzenhoffer ist nicht nur ein allseits anerkannter Hypno-Historiker und Forscher, der lange Zeit auch mit Hilgard zusammengearbeitet hat, sondern er ist v.a. auch ein Kliniker. Weitzenhoffer war und ist Hypnotherapeut und ein erfolgreicher noch dazu. Im letzten Jahr erschien sein zweibändiges Werk Weitzenhoffer, A. (1989). The practice of Hypnotism (2 Vols.). New York: Wiley. Ich will hier nur auf den zweiten Band eingehen, denn dieser enthält eine eingehende, 130 Seiten starke Darstellung des Ericksonschen Ansatzes, hauptsächlich des von Erickson & Rossi sowie des von Bandler & Grinder. Daß letztere nicht so gut wegkommen, versteht sich heute fast schon von selbst. Interessant ist aber die präzise, wohlwollende und kritisch würdigende Darstellung `von außerhalb"; kommentiert anhand und eingeordnet in die sonstigen hypnotischen und hypnotherapeutischen Ansätze. Es ist bekannt, daß Weitzenhoffer auf manche Ericksonianer nicht so gut zu sprechen ist. Dies mag vielleicht auch damit zusammenhängen, daß er Erickson nicht nur als Kollege verehrte sondern mit ihm auch befreundet war. Diese Bewunderung und Freundschaft scheint in allen Texten durch bei aller kritischen Durchleuchtung immer dann, wenn er es für angebracht hielt.

Da gibt es noch zwei weitere Bücher, auf die ich aufmerksam machen möchte: Der Haupttitel des ersten führt leicht in die Irre und erst der Untertitel verrät, worum es in diesem Buch geht. Laurence, J.R & Perry, C. (1988). Hypnosis, will and memory A psycho-legal history. New York: Guilford: Laurence und Perry, für gründliche Recherchen ebenfalls seit langem bekannt, zeichnen hier die Geschichte jener Frage auf, die seit 200 Jahren viele bewegt: Kann man mit Hypnose jemanden dazu bewegen oder gar zwingen etwas zu tun, was er/sie sonst nicht tun würde. Ganz beiläufig ist dieses Buch damit auch eine hervorragende Darstellung der Geschichte der Hypnose. Dieses Buch ist angelegt, ein Klassiker der Hypnoseliteratur zu werden.

Um die Geschichte der Hypnose geht es u.a. auch in dem Buch Wolters, G. (Hrsg.) (1988). Franz Anton Mesmer und der Mesmerismus: Wissenschaft, Scharlatanerie, Poesie. Konstanz: Universitätsverlag. Die Autoren dieses Bandes, u.a. auch Walter Bongartz, zeichnen auf 139 Seiten ein komplexes sozio-, kultur- und v.a. wissenschaftshistorisches Mosaik von Mesmer und dem Mesmerismus, seinen Auswirkungen und Rückwirkungen. Dem Leser gehen damit viele, nicht nur hypno-historische Zusammenhänge auf. Die Wirkung des Magnetismus in die Literatur Deutschlands, Englands und Frankreich werden ebenso behandelt wie die Idee - die "Strahlen" - des Unbewußten von Mesmer zu Freud. Dieses Buch ersetzt den Ellenberger natürlich nicht, es ergänzt ihn aber vorzüglich. Dieses Buch wird seinen Weg aus der Konstanzer Bibliothek heraus sicher finden.
B. Peter