Die Pupille des Bettnässers.

Buchbesprechung Mrochen, S., Holtz, K.-L. & Trenkle, B. (Hrsg.). (1993). Die Pupille des Bettnässers. Hypnotherapeutische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Heidelberg: Carl Auer Verlag

Eine "geballte Ladung" Information... "Spielen ist die Arbeit der Kinder" heißt es. Und "Therapieren ist die Arbeit der Therapeuten" könnte es heißen. Und wenn "Therapieren" nicht Doktrinieren und Trivialisieren sein soll, tun wir gut daran, Kinder dort ernst zu nehmen, wo sie "harte Arbeit" leisten: Bei Phantasie und Spiel. Was für Kinder Notwendigkeit ist, stellt für Kindertherapeuten eine unverzichtbare Ressource und die Brücke zur Welt des Kindes dar. Wie man hypnotherapeutische Brücken zu Kindern schlagen und sie dann auch praktisch beschreiten kann, schildert in kreativer und vielfältiger Weise das neue Buch der Herausgeber Siegfried Mrochen, Karl-Ludwig Holtz und Bernhard Trenkle. Der Titel des im Carl Auer Verlag, Heidelberg, erschienenen Buches verschreckte mich zunächst etwas und tat damit wohl die beabsichtigte Werbewirkung. Der zweite Blick entdeckte eine witzige Zeichnung von Marcks auf dem Buchdeckel: Wohlwollende Relativierung einer bärtigen Wissensautorität durch ein Kind ließ schmunzeln. So eingestimmt schlug ich das Buch gespannt auf und erst am Ende des Wochenendes wieder zu! Da ich aufgrund der Praxisstruktur nur mit älteren Kindern arbeite, war dieses Buch genau das, was ich mir gewünscht hatte: Ein ganz praktisch orientiertes Buch über Kinderhypnose, von Praktikern für ebensolche geschrieben. Eingerahmt und fundiert durch eine kurzgefasste Einführung in Geschichte und Besonderheit der Kinderhypnose (S. Mrochen und H. Bierbaum) und entwicklungspsychologische Überlegungen zur Hypnotherapie mit Kindern und Jugendlichen (K.-L. Holtz). Dazwischen erst zwei eher theoretische Arbeiten über konstruktivistisch orientierte Hypnotherapie (M. Vogt) und Hypnoseeinleitung (K. Balcar) und dann folgten die Vorschläge zum "Brückenbau". Mal aus der Hypnotherapie Milton Ericksons abgeleitet (B. Trenkle, D.P. Kohen), mal direkt aus der Erfahrung der einzelnen Kindertherapeuten (z.B. S. Signer-Fischer, Ch. Wirl u.a.). Warum gab es ein solches Buch nicht früher? Nun, ich bin jetzt zufrieden; und wenn Sie, wie ich, etwas Fundiertes für die eigene Fortbildung suchen, sind Sie mit dieser "geballten Ladung" an Informationen gut beraten.
Götz Renartz